Die Erstellung eines Bauprojektzeitplans ist eine der wichtigsten Planungsphasen eines Projekts. Der Zeitplan beeinflusst Ressourcen, Beschaffung, Nachunternehmerleistungen, Kosten und letztlich die Fertigstellung des gesamten Projekts.
Ein gut vorbereiteter Zeitplan hilft dabei, drei zentrale Fragen zu beantworten: Was wird gemacht, in welcher Reihenfolge werden die Arbeitsphasen durchgeführt und wann müssen sie abgeschlossen sein?
1. Mit den Projektzielen beginnen
Die Terminplanung beginnt mit den Hauptzielen des Projekts. Bevor einzelne Aufgaben geplant werden, ist es wichtig zu verstehen, was gebaut wird, wann es fertiggestellt werden muss und welche Meilensteine den Fortschritt bestimmen.
Zu den Zielen können beispielsweise die Fertigstellung eines Bauabschnitts, die Inbetriebnahme der Gebäudetechnik, der Beginn des Innenausbaus, behördliche Abnahmen oder die Übergabe des Projekts an den Auftraggeber gehören.
Ein guter Ausgangspunkt
Definieren Sie zunächst das Endziel des Projekts und die wichtigsten Meilensteine. Erst danach sollte das Projekt in einzelne Arbeitsphasen unterteilt werden.
2. Das Projekt in Arbeitsphasen unterteilen
Sobald die Ziele klar definiert sind, wird das Projekt in überschaubare Arbeitsphasen aufgeteilt. Bei Bauprojekten können dies Erdarbeiten, Rohbau, Dacharbeiten, Gebäudetechnik, Innenausbau, Abschlussarbeiten und Übergabe sein.
Ein zu grober Zeitplan unterstützt die Baustellensteuerung nicht ausreichend. Ein zu detaillierter Zeitplan kann hingegen schwer zu pflegen sein. Ziel ist es, ein Detaillierungsniveau zu finden, das sowohl die Gesamtübersicht als auch die praktische Steuerung unterstützt.
3. Aufgabenabhängigkeiten identifizieren
In Bauprojekten sind die Arbeitsphasen stark voneinander abhängig. Beispielsweise kann der Innenausbau nicht wie geplant voranschreiten, wenn Installationen der Gebäudetechnik, Trennwände oder Oberflächenarbeiten noch nicht abgeschlossen sind.
Die Identifikation von Abhängigkeiten zeigt die Reihenfolge der Arbeiten und macht deutlich, welche Aufgaben sich direkt auf den Projektabschluss auswirken.
Ein guter Zeitplan zeigt nicht nur Aufgaben. Er zeigt auch, wie die Aufgaben miteinander verbunden sind.
4. Einen Gantt-Zeitplan für die Gesamtübersicht erstellen
Ein Gantt-Diagramm ist eine der gebräuchlichsten Methoden zur Darstellung eines Bauprojektzeitplans. Es zeigt Arbeitsphasen auf einer Zeitachse und hilft dabei, das Gesamtprojekt zu visualisieren.
Ein Gantt-Zeitplan eignet sich besonders für die Erstellung des Gesamtterminplans, die Darstellung von Abhängigkeiten und die Berichterstattung über den Projektfortschritt.
Mehr über die Unterschiede zwischen Gantt und Last Planner erfahren Sie im Artikel Last Planner vs. Gantt.
5. Den kritischen Pfad identifizieren
Der kritische Pfad zeigt die Aufgaben, die sich direkt auf den Fertigstellungstermin des Projekts auswirken. Verzögert sich eine Aufgabe auf dem kritischen Pfad, kann sich das gesamte Projekt verzögern.
Die Identifikation des kritischen Pfads hilft dem Projektmanagement, sich auf die Arbeitsphasen zu konzentrieren, bei denen Überwachung und Steuerung am wichtigsten sind.
Warum ist der kritische Pfad wichtig?
Nicht jede Verzögerung wirkt sich gleichermaßen auf den Projektabschluss aus. Der kritische Pfad hilft dabei, die wichtigsten Terminrisiken von anderen Abweichungen zu unterscheiden.
6. Nachunternehmer in die Planung einbeziehen
Ein Bauprojektzeitplan sollte nicht ausschließlich aus Sicht des Projektmanagements erstellt werden. Die Personen, die die Arbeiten ausführen, wissen oft am besten, wie lange die Arbeiten tatsächlich dauern und welche Voraussetzungen für den Erfolg notwendig sind.
Wenn Nachunternehmer an der Planung beteiligt werden, wird der Zeitplan realistischer und die Verbindlichkeit steigt. Dies ist eines der Grundprinzipien des Last-Planner-Ansatzes.
Mehr dazu im Artikel Was ist das Last Planner System?.
7. Pull Planning einsetzen
Beim Pull Planning werden Arbeitsphasen rückwärts vom Zieltermin aus geplant. Diese Methode hilft dabei zu erkennen, was abgeschlossen sein muss, bevor die nächste Arbeitsphase beginnen kann.
Pull Planning ist besonders nützlich bei der Planung kritischer Phasen, der Koordination mehrerer Auftragnehmer oder enger Meilensteine.
Ein praktisches Beispiel finden Sie im Artikel Pull Planning in der Praxis.
8. Lookahead-Planung nutzen
Ein guter Zeitplan allein reicht nicht aus, wenn bevorstehende Hindernisse nicht rechtzeitig erkannt werden. Bei der Lookahead-Planung werden die Aufgaben der kommenden Wochen überprüft und ihre Voraussetzungen bestätigt.
Zu den Hindernissen können fehlende Materialien, unvollständige Pläne, Genehmigungsverzögerungen, Ressourcenengpässe oder nicht abgeschlossene vorherige Arbeitsphasen gehören.
Das Ziel der Lookahead-Planung besteht darin, sicherzustellen, dass nur Aufgaben in den Wochenplan aufgenommen werden, die tatsächlich ausgeführt werden können.
9. Fortschritt verfolgen und PPC messen
Die Erstellung des Zeitplans ist nur der Anfang. Während des Projekts muss verfolgt werden, wie die Planung tatsächlich umgesetzt wird.
Im Last Planner wird hierfür häufig die Kennzahl PPC verwendet. PPC (Percent Plan Complete) zeigt, welcher Prozentsatz der vereinbarten Aufgaben wie geplant abgeschlossen wurde.
Mehr über diese Kennzahl erfahren Sie im Artikel Was bedeutet PPC in einem Bauprojekt?.
10. Den Zeitplan regelmäßig aktualisieren
Ein Bauprojektzeitplan ist kein einmaliges Dokument. Er verändert sich im Laufe des Projekts, wenn Planungen detaillierter werden, Arbeiten abgeschlossen werden und neue Risiken erkannt werden.
Regelmäßige Aktualisierungen helfen dem Projektteam, die tatsächliche Situation zu erkennen und rechtzeitig auf Abweichungen zu reagieren.
Die häufigsten Fehler bei der Terminplanung
In Bauprojekten treten oft dieselben Planungsfehler auf: zu optimistische Zeitdauern, unvollständige Abhängigkeiten, schwache Wochenplanung und fehlende Fortschrittsverfolgung.
Mehr dazu im Artikel Die 7 häufigsten Terminplanungsfehler in Bauprojekten.
Merken Sie sich Folgendes
Ein Bauprojektzeitplan funktioniert am besten, wenn ein langfristiger Gantt-Zeitplan mit der praktischen Produktionssteuerung nach Last Planner kombiniert wird.
Zusammenfassung
Die Erstellung eines Bauprojektzeitplans erfordert die Definition von Zielen, die Aufteilung in Arbeitsphasen, die Identifikation von Abhängigkeiten und eine kontinuierliche Fortschrittsverfolgung. Ein guter Zeitplan ist nicht nur ein Plan, sondern ein aktives Managementinstrument.
Wenn Gantt-Zeitplan, Pull Planning, Lookahead-Planung, Wochenplanung und PPC-Tracking in einem gemeinsamen Arbeitsmodell kombiniert werden, verbessert sich die Vorhersagbarkeit des Projekts und das Risiko von Terminverzögerungen wird reduziert.
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